Kühlungsborn – immer eine Reise wert

Die Ostsee hat atemberaubend schöne Landschaften und Gegenden zu bieten. Und doch gibt es Ecken zwischen Wismar und Rügen, die sind besonders schön. Eine dieser Ecken ist die Gegend um das Seebad Kühlungsborn. Der größte Bade- und Erholungsort Mecklenburgs liegt rund 25 Kilometer von Rostock entfernt direkt an der Mecklenburger Bucht. Das allein macht jedoch den Charme dieses zauberhaften Städtchens nicht aus. Einen großen Beitrag zur Beliebtheit Kühlungsborns steuert sicher die mit 3150 Metern längste Strandpromenade Deutschlands bei. Ebenso reizvoll ist der etwa sechs Kilometer lange breite Sandstrand.

Die Geschichte Kühlungsborns ist einerseits lang und andererseits auch wieder nicht. Lang, weil sie rund 800 Jahre zurückreicht und kurz, weil die Stadt Kühlungsborn erst im Jahr 1938 aus den Gemeinden Brunshaupten, Arendsee und Fulgen gegründet wurde. Der Titel „Seebad“ wurde der Stadt im Jahr 1996 verliehen und ersetzt seitdem den vorher laut Gründungsurkunde im Namen verankerten Bestandteil „Ostseebad“.

Der Tourismus hat eine lange Tradition an der Ostsee, und so auch in Kühlungsborn. Bereits aus dem Jahr 1857 sind Logierhäuser in Fulgen dokumentiert. Ab 1881 empfing auch Arendsee Badegäste, ab 1884 dann ebenfalls Brunshaupten. Dort wurden im Jahr 1887 neben den 600 Bewohnern des Dorfes 300 Gäste gezählt. Ab 1895 fuhr bereits der erste Linienverkehr zwischen Arendsee, Brunshaupten und Kröpelin.

Im Jahr 1899 beschloss der örtliche Badeverein, eine Warmbadeanstalt zu errichten. Zu diesem Zeitpunkt wurde auch erstmals ein Promenadensteg von rund 120 Metern in die Ostsee hinein errichtet. Ein Jahr später begannen die Arbeiten am Promenadenweg parallel zum Strand. Das 1899 beschlossene Warmbad wurde 1901 eröffnet. Das war gleichzeitig der Startschuss für den professionellen Tourismus. Zum Beginn des 20. Jahrhunderts entstanden die Hotels und Pensionen im Dünengelände. Spätestens seit 1910 war die Gegend, die heute als Kühlungsborn bekannt ist, dann endgültig touristisch erschlossen. Ab diesem Jahr fuhr auch der Molli, die berühmte Bäderbahn mit Dampflok, die auch heute noch in Betrieb ist, von Bad Doberan über Heiligendamm bis Brunshaupten und Arendsee. Interessant ist übrigens, dass ein großer Teil der modernen Errungenschaften wie Straßenbeleuchtung, Gas- und Wasserversorgung privat finanziert wurde.

Obwohl zwischen den drei Gemeinden gemeinsame Interessen herrschten, konkurrierten sie gegeneinander. Dabei schlossen sich Brunshaupten und Fulgen gegen Arendsee zusammen. Der noch heute erkennbare Ausdruck dieses Konkurrenzkampfes sind beispielsweise die beiden Seebrücken oder die Konzertgärten Ost und West.

Nach der Stadtgründung und gleichzeitigen Verleihung des Stadtrechts wurde auch dieser Konkurrenzkampf beigelegt und erfolgreich für den gemeinsamen Gewinn gearbeitet. Der Lohn waren ständig steigende Gästezahlen. Im Zuge der deutsch-deutschen Teilung lag Kühlungsborn nunmehr in der DDR, was dazu führte, dass zahlreiche Hotels und Pensionen zwangsverstaatlicht und zu FDGB-Einrichtungen umfunktioniert wurden.

Nach dem Mauerfall wurde der historische Stadtkern gründlich saniert und im Rahmen der Städtebauförderung viele historische Bauten wiederhergestellt. Im Zuge dessen mussten jedoch unglücklicherweise 26 zum Teil bedeutende Gebäude der alten Bäderarchitektur weichen, unter ihnen das 1906 vollendete Arendseer Kurhaus. Es wurde 1994 zum Abbruch freigegeben. Der größte Teil der Neubauten orientiert sich heute am historischen Stil des alten Seebades. Dazu gehört auch, dass kein Gebäude höher gebaut werden darf als die höchsten Bäume gewachsen sind. Das galt auch für den Kirchturm der Katholischen Kirche. Heute ist Kühlungsborn wieder ganzjährig als Urlaubsort interessant. Ein neu errichteter Bootshafen konnte bereits 2007 schon mehr als 13.000 Boot-Ankünfte verzeichnen.

Im Jahr 2007 war in Kühlungsborn das Pressezentrum für den G8-Gipfel in Heiligendamm eingerichtet. Rund 5390 Journalisten aus aller Herren Länder waren hier akkreditiert und wohnten auch in Kühlungsborn. Ihr Shuttle zum Gipfel war der Molli.

Neben der großartigen Landschaft der Mecklenburger Bucht hat Kühlungsborn auch die Nähe zu den Hansestädten Rostock, Wismar, Stralsund und Greifswald zu bieten. Sie alle sind Zeugnisse der alten und traditionsreichen Geschichte des nordöstlichsten Bundeslandes.
 

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